1. Herr Giglinger, „Mehr Jobs, mehr Unternehmen, mehr Umsatz“ heißt es im kürzlich veröffentlichten Medienindex 2015, für den das Institut „House of Research“  in Ihrem Auftrag die Arbeitsmarktstatistik 2014 und die Umsatzsteuerstatistik 2013 ausgewertet hat. Klingt sehr positiv, aber nicht überraschend, wenn man die Medienschlagzeilen der letzten zwei, drei Jahre verfolgt. Gab es Werte, mit denen Sie nicht gerechnet haben? Und ist ein Abflachen der Erfolgskurve Medienlandschaft Berlin-Brandenburg in Sicht?
    • Ja, mit Wachstum haben wir gerechnet, aber in dieser Ausprägung war es nicht unbedingt zu erwarten. Ein Umsatzwachstum von 9%, ein Plus von 11% bei den Beschäftigten – das ist schon massiv. Es hat mich dabei sehr gefreut, dass auch die klassischen Medienbranchen TV und Film wieder zulegen konnten. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ist ein Abflachen nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil, im Gespräch mit nationalen und internationalen Medienunternehmern gewinne ich eher den Eindruck, dass es gerade erst richtig losgeht.
  2. Fünf Jahre waren Sie verantwortlich für die Standortförderung beim Medienboard. Was hat sich in ihrer Zeit am gravierendsten verändert? Was am meisten Spaß gemacht?
    • Mein Aufgabenbereich war die Standortentwicklung und das Standortmarketing, die Standortförderung ist nur ein Teil davon. Die Wahrnehmung der Hauptstadtregion hat sich deutlich verändert. Unsere Standortvorteile sind international kommuniziert und ziehen mehr und mehr Unternehmen und Produktionen an.
    • Vor vier-fünf Jahren wurde ich noch belächelt, wenn ich vom Potenzial der Hauptstadtregion zum digitalen Zentrum gesprochen habe. Daran will sich heute nur niemand mehr erinnern (lacht)… Vom aufstrebenden Kreativstandort mit tollem Nachtleben zum digitalen Zentrum des Kontinents mit mehr Venture Capital als London – in gerade mal fünf Jahren! Das ist schon außergewöhnlich.
    • Spaß gemacht hat einiges. Zum Beispiel die Arbeit mit meinem großartigen Team, oder die Entwicklung neuer Initiativen für die digitale Medienwirtschaft – und natürlich der Aufbau der Media Convention Berlin. Das wurde zunächst durchaus kritisch beäugt, aber der Erfolg gibt uns Recht. Und wenn die Keynote von Netflix-Chef Reed Hastings auf der Media Convention von der Tagesschau bis zur New York Times Beachtung findet, ist das natürlich großartig. Überhaupt ist die persönliche Vernetzung nach wie vor sehr wichtig. Auch dafür sind Veranstaltungen wie die Media Convention Berlin, aber natürlich auch Eure Arbeit bei media.net ein wichtiger Baustein.
  3. Das klingt fast zu positiv, Herr Giglinger. Gibt es Themen und Projekte, die die Region in den kommenden 3-5 Jahren pushen sollte, um den Standort als europäischen Startup und Medien-Hotspot – auch hinsichtlich der Umsätze und Gewinne – auszubauen?
    • Naja, es gibt schon auch Risiken die wir im Kopf haben sollten. Das einzigartige Flair Berlins muss zum Beispiel unbedingt erhalten werden. Dazu gehört zwingend der Erhalt der kreativen Szene im Bereich der allseits umworbenen Innenstadtbereiche. Für die Filmwirtschaft ist eine Rücknahme der DFFF Kürzung entscheidend, sonst werden die großen, internationalen Produktionen im weltweiten Förderwettlauf nicht mehr bei uns landen.
    • Das größte Wachstum sehe ich weiterhin in den Bereichen Web und Mobile und im Speziellem im Bereich Virtual Reality. Hier wird, davon bin ich fest überzeugt, in den nächsten Jahren ein Massenmarkt entstehen. An der Stelle ist die Hauptstadtregion gut aufgestellt und die Länder wären sicher gut beraten diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Datum: 09.10.2015