1. Wie verändern sich Ausbildung, Aufgaben und Tätigkeiten der Kulissenbauer, Tischler, Schlosser und Maler im Art Department des Studios? Vom Hand-Werker zum Digital-Werker?
    • Wir beschäftigen uns in unseren Werkstätten schon seit mehr als einem Jahrzehnt sehr intensiv mit dem digitalen Workflow, welcher zum Alltag geworden ist – von den computergesteuerten CNC*- Fräsen in der Tischlerei, dem lasergeschnittenen Stahl im Metallbau bis hin zur Farbmischanlage in der Oberflächenbehandlung. In unserem 3D-Labor experimentieren wir zudem mit den neuesten Kunststoffen und Beschichtungen und erstellen damit Prototypen, beginnend mit dem 3D-Scanner, über die Formgebung mit unserer 7-Achs Fräse, einem Kuka-Roboter, welcher dreidimensionale Objekte in Autogröße formen kann bis hin zum 3D-Druck in Menschengröße. Das alles setzt jedoch die entsprechende, digitale Planung und Vorbereitung durch unsere Mitarbeiter voraus. Vom 3D-Entwurf über die Werkplanung durch unsere Kreativen und Architekten bis hin zu unseren Tischlern, die Ihre Maschinenbearbeitung selbst programmieren. Budgetierung,  Controlling und Abrechnung nicht zu vergessen. Die Vielzahl der unterschiedlichen, mittlerweile hervorragenden, digitalen Kompetenzen unserer Mitarbeiter versuchen wir in unserem Unternehmen nunmehr bestmöglich auf einen gemeinsamen „Nenner“ zu bringen, das bedeutet laufende Aus- und Weiterbildung. Mit den gängigsten Design- und Architekturprogrammen wollen wir zudem die planerische Arbeit und digitalen Informationen auch direkt für die Maschinenbearbeitung weiterverwenden, das heißt noch effektiver werden. Die Architektur und das Handwerk werden somit durch die Digitalisierung zunehmend anspruchsvoller.
  2. Werden Digitalisierung und Automatisierung eher als Chance oder Bedrohung für die Mitarbeiter des Studio Babelsberg /Art Department bewertet?
    • Tatsächlich wurde die erste, große Maschinen Anschaffung, eine CNC*-Fräse, mit Skepsis betrachtet, aber das ist über 15 Jahre her. Wir haben uns jeweils die notwendige Zeit genommen, unsere Mitarbeiter zu schulen, Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Das soll auch so bleiben und gehört zum Tagesgeschäft in unserem Metier. Mit unserer zeitgemäßen Arbeitsvorbereitung und unserem Maschinenpark hat sich unser Angebotsspektrum und die Qualität enorm gesteigert, damit sind wir nicht nur in unserem Kerngeschäft, dem Dekorationsbau, für den internationalen Film führend. Das erkennen unsere Kunden an und das macht auch unsere Mitarbeiter stolz.
  3. Welche Aufgaben werden schon jetzt von „digitalen“ Mitarbeiter*innen übernommen?
    • Alle vorgenannten Komponenten unterstützen uns kontinuierlich im Tagesablauf. Unsere digitale Resource, wie Programme, Werkzeuge und Maschinen, ist jedoch nur so gut, wie die Mitarbeiter, die sie anwendet und bedient – ohne unsere erfahrenen Teammitglieder läuft also nichts.
  4. Sind Ihre BestPractice Beispiele vom Filmhandwerk auch auf andere Handwerksbranchen übertragbar?
    • Sicher! In unserem Haus bündeln sich darüber hinaus alle gängigen Handwerkskünste, sodass wir insbesondere bei der Herstellung komplexer und hochwertiger Unikate einen Wettbewerbsvorteil haben, das heißt, dass wir schneller sind.
*“Computerized Numerical Control (CNC), übersetzt „rechnergestützte numerische Steuerung“

März 2018

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Studio Babelsberg AG0331 7212131 eike.wolf@studiobabelsberg.com http://www.studiobabelsberg.com/

Studio Babelsberg ist das weltweit älteste Großatelier-Filmstudio und zählt zu den führenden Standorten für die Herstellung von Spielfilm- und Fernsehproduktionen in Europa. Seit 1912 wird in Babelsberg Filmgeschichte geschrieben.

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