Eine Rückschau von Alice Bucher

Zu Beginn des Abends wurden die anwesenden Gäste durch Andrea Peters (Vorstandsvorsitzende media:net berlinbrandenburg) und Helge Jürgens (Medienboard) in der AXICA am Brandenburger Tor willkommen geheißen.

Im Anschluss begrüßte der Moderator Volker Wieprecht den Gast des Abends auf der Bühne: Julia Jäkel, CEO bei Gruner + Jahr.

Das Thema, welches wohl den Großteil der Digitalbranche aktuell umtreiben dürfte, wurde gleich als Einstieg ins Gespräch genutzt: Die neue Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft treten wird. Auch Jäkel beschäftigt sich tagtäglich damit, wie sie erzählt. Es sei in ihren Augen ein sehr wichtiges, aber auch sehr zweischneidiges Thema. Denn jeder habe ein Recht darauf zu wissen, was mit seinen Daten geschehe, gleichzeitig aber befürchtet sie, dass die großen Plattformen durch das neue Gesetz noch mehr Vorteile ziehen werden.

Wie sieht nun ein klassischer Tagesablauf einer Julia Jäkel aus? Den gibt es so tatsächlich nicht, erzählt die Medienfrau, was sie gleichzeitig als großes Glück erachtet. Mal liegt der Fokus an einem Tag auf dem Print-, an einem anderen mal auf dem Digitalgeschäft. Das spiegelt auch das breite Themenspektrum der Angebote von Gruner + Jahr wider. Das Thema Digitalisierung spielt selbstverständlich für das Verlagshaus eine große Rolle. Für Jäkel steht im Vordergrund, dass es am Arbeitsmarkt Steuerung und Ausgleich geben muss, um die massiven Auswirkungen für die Gesellschaft in Zaum zu halten. Bei Gruner + Jahr selbst werden inzwischen 25 % des Umsatzes mit digitalen Produkten gemacht. Trotzdem möchte G+J nicht der digitalste Verlag sein  – der Fokus liegt auf dem Haus selbst mit seinen starken Marken und dies soll laut Jäkel so bleiben.

Zu ihrem Alltag gehören jedoch auch immer wieder schwierige Entscheidungen, wie die Auflösung der Financial Times Deutschland vor 6 Jahren. Julia Jäkel hat es nichtsdestotrotz, oder vielleicht auch gerade deswegen, geschafft, das Verlagshaus in ein deutliches Plus zu heben und neben den bestehenden Magazinen viele neue zu etablieren. Auch auf dem Weg zur Digitalisierung ist es besonders wichtig, dass alle im Team an einem Strang ziehen, so Jäkel. So kann sich zuletzt auch der Bereich AdTech immer mehr etablieren. Mit der Plattfrom Ligatus, die sich um Anzeigenvermarktung dreht, ist G+J inzwischen in 20 Ländern weltweit unterwegs. Die Influencer-Marketing-Lösung InCircles des Hauses ist laut Jäkel aktuell die erfolgreichste ihrer Art in Deutschland. Einen weiteren Zweig im Adtech-Bereich bildet das Unternehmen AppLike, welches App-Herstellern hilft, das eigene Produkt voranzubringen und neue Kunden zu gewinnen.

Besonders wichtig sei es in ihrer Rolle und Position zu spüren, was in der Gesellschaft los sei, was die Menschen umtreibe. Dazu zählt Jäkel auch den Trend zur Orientierung an berühmten Persönlichkeiten, woraus am Baumwall unter anderem die Magazine „Barbara“ und zuletzt „JWD“, das sich um den Entertainer Joko Winterscheidt dreht, entstanden.

Doch wie unterscheiden sich jetzt die Print-Produkte von den digitalen? Was kann Print, was Influencer nicht leisten können? Jäkel spricht hier von einer ungemeinen Nähe, die Leser*innen zu den verschiedenen Magazinen aufbauen. So erhalten sie häufig Fanbriefe, zum Beispiel zum Magazin „Barbara“ oder auch Fotos aus der Badewanne, in der Stern Crime gelesen werde. Eine solche Nähe können digitale Angebote nicht entwickeln, so Julia Jäkel, es entstehen regelrechte Fans. Viele Menschen wollen in der digitalen Zeit eine gewisse Entschleunigung. Einige Magazine funktionieren so tatsächlich nur dank der Digitalisierung –  das Magazin „Hygge“ zum Beispiel würde ohne diese wahrscheinlich nicht existieren.

„Ein Verlag bedeutete im Grund das Finanzieren von Kreativität“, so Jäkel. Neben den Print- und Digitalangeboten bietet Gruner + Jahr auch Angebote rund um seine großen Marken –  zum Beispiel die Brigitte Academy, die in regelmäßigen Abständen stattfindet. Frauen bekommen hier ein Tagesprogramm mit Seminaren und Vorträgen geboten, bei denen sie zu den unterschiedlichsten Themen beraten werden. So ging es zuletzt um Finanzen, beim nächsten Meetup wird es um Jobs gehen. Denn es gebe einen sehr großen Beratungsbedarf, berichtet Jäkel.

Im Haus selbst sieht sich die Unternehmerin als Frau in einer großen Verantwortung dafür zu sorgen, dass Gleichberechtigung herrscht und jede und jeder die gleichen Chancen bekommt. „Eine Diversität ist absolut notwendig“, so Jäkel. Als Frau sei sie aber auch sehr sensibel für Klischees und Schubladen-Denken und möchte deswegen ebenso wenig Männer in gewisse Schubladen stecken. Dramatisch findet sie den hohen Anteil an Männern in Führungspositionen in den großen Unternehmen dieser Welt – seien dies Facebook, Google oder Amazon. Denn genau diese Player bestimmen und prägen unsere Gesellschaft in hohem Maße, weswegen auch hier mehr Gleichberechtigung und Diversität herrschen sollte.

Volker Wieprecht schafft an dieser Stelle den Übergang zu einem von Jäkel in letzter Zeit häufig diskutierten Thema: Die Kritik an Facebook. Sie findet es weiterhin bedenklich, dass ein solches Unternehmen, das für die Verrohung unser Kommunikation sorge, einen solch enormen Einfluss hat. Julia Jäkel erzählt, dass sie die Hoffnung hegte, eben solche Unternehmen werden sich mit der Zeit selbst regulieren. Das ist bisher nicht eingetroffen, wie auch der Skandal rund um Facebook und Cambridge Analytica zeigt.

Dennoch spürt sie zunehmend offene Ohren in der Politik, was sie sehr erfreut. Die Themen unserer Zeit seien aber auch unglaublich komplex und werden unsere Zusammenarbeit dauerhauft prägen, wie Jäkel sagt.

Julia Jäkel sieht die Zukunft ihres Verlagshauses weiterhin in der Diversität: Digital, traditionell und offen für neue Chancen. Und was hat sie nun als Verlagschefin für die nächste Zeit noch vor? „Ich möchte mit Gruner + Jahr, dessen Herz im Journalismus schlägt, weiterhin zeigen, dass man ein solches Haus auch in schwierigen Zeiten in die Zukunft holen kann.“

Wir danken Julia Jäkel und unserem Moderator Volker Wieprecht für ihre Zeit und das interessante Gespräch, sowie allen Gästen für die Teilnahme am 42. mediengipfel.

Herzlichen Dank unseren Förderern, Partnern und Sponsoren:

 

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