1. Was geben Sie jungen Frauen / Berufsanfängerinnen in Ihrer Branche mit? Wie sieht ein Tipp zur Einstiegshilfe von Ihnen aus?
    • Jungen Frauen rate ich immer, ihre Lebensplanung mit in die Ausbildung hinein zu nehmen, denn nach 30 kommt man schon in größere Konflikte, wenn man zum Beispiel am Set arbeitet. Ich gebe jungen Frauen außerdem mit, ihre Ausbildung so auszurichten, dass sie Führungspositionen übernehmen können, um dann Familie und Beruf besser in Einklang zu kriegen.
  2. Sie sind seit 35 Jahren als Produzentin tätig und haben seit 33 Jahren Ihre eigene Produktionsfirma. Wie sieht Ihre persönliche Erfolgsstory aus? Hat sich alles so entwickelt, wie Sie sich das vorgestellt haben?
    • Ganz einfach: Eine Firma hat man in guten und in schlechten Zeiten und beides habe ich hinter mir. Die Erfolgsstory ist für mich, um mal bescheiden zu sein, dass ich nicht insolvent gegangen bin und, dass ich durch die Zeit einen guten Überblick über die Medienindustrie bekommen habe. Aber auch ich selbst bin in die Position gekommen, jetzt auch laut und deutlich NEIN zu sagen und ich glaube, das ist meine persönliche Freiheit und das ist auch mein Erfolg.
  3. Wie hat sich die Branche in Ihren Augen in den letzten Jahren verändert, was ist heute anders als in den 80er Jahren?
    • Ich habe ja sehr jung angefangen und am Anfang hatten wir fast nur öffentliche-rechtliche Unternehmen. Mit Sicherheit muss man sagen, dass es in der Struktur von den 70ern bis 2000 eine sehr quotale Auftragsvergabe gab. Ich habe also in meinem Leben mitbekommen, dass das Leistungsprinzip in der Medienbranche nicht zählt. Ich glaube aufgebrochen wurde das Ganze durch den Beginn der kommerziellen Sender. Ich bin Dr. Thoma (RTL) heute noch dankbar, dass er mir Aufträge gegeben hat, die mir Öffentlich-Rechtliche damals nicht gegeben hätten und da gab es schon einen ganz neuen Aufbruch. Ich sehe jetzt durch die zahlreichen Plattformen und neuen Optionen auch wieder eine Chance für junge Unternehmen oder auch zur Umorientierung für Frauen. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, das Wesentliche ist es, dass wir auch in der Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Qualifikationen propagieren. Denn letztendlich entscheiden Plattformen auch immer nach Risiko-Minimierungs-Kriterien und da geht es darum, dass dafür ein Firmenname steht und wenn das Produkt es dann am Ende doch nicht ist, kann zumindest jeder nachvollziehen, dass man sich für diese Firma entschieden hat. Und ich glaube, dass diese neuen Entscheidungskriterien nochmal ganz wesentlich sind für die Positionierung von Frauen im Geschäft und ihrer Credibility und klarer wird, was sie alles schon gemacht, und vor allem erfolgreich gemacht haben.
  4. Vor allem Serien erleben in den letzten Jahren auch hierzulande einen immer größeren Hype. Was ist Ihre Prognose für die nächsten Jahre? Wird dieser Höhenflug für serielle Formate wieder ein Ende finden oder stehen wir noch ganz am Anfang?
    • Ich glaube, man muss das etwas differenzierter sehen. Insgesamt ist auf jeden Fall ein größerer Marktbedarf da, das ist die Neu- und Umorientierung. Ich bin immer sehr konservativ, wenn es um Hypes geht und für wen das letztendlich etwas Gutes ist. Grundsätzlich freut es mich sehr, dass deutsche Produktionen auch international Anerkennung finden. Auf der anderen Seite ist es eine Herausforderung, dass wir auch sehr viel mehr Mitarbeiter und auch Nachwuchs in den Filmbereich einführen, denn der ist uns ein bisschen abhandengekommen. Ich glaube, der größere Wettbewerb tut dem Geschäft immer gut. Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Hype, aber es ist eine Chance und die ist wunderbar.
  5. Mit dem neuen Format FEMALE PRODUCERS möchte das production:net gemeinsam mit rbb media und UFA Frauen aus dem Produzentenbereich und der Film/TV/Content – Branche stärker vernetzen und einen regelmäßigen Austausch ermöglichen. Was erhoffen Sie sich von diesem neuen Format?
    • Alles ist gut, sobald Frauen miteinander reden, sich treffen und kennenlernen und vor allem auch beim Frühstück. Ich glaube, das Multitasking, welches man Frauen immer unterstellt, ist auch eine Tatsache, denn es gibt viele Kriterien, die den Alltag einer Frau anders prägen und von daher ist ein gemeinsames Frühstück immer gut. Man kann nicht genug dafür tun, Orte und Veranstaltungen der Begegnung zu schaffen. Allein von einer Kollegin gehört zu haben, reicht oft schon aus, um dann bei der nächsten Gelegenheit aufeinander zuzugehen. Alles in langsamen Schritten, aber alles sehr wichtig.

 

März 2019

Hier geht es zur Rückschau des ersten FEMALE PRODUCERS´Networking Breakfast. Merken Sie sich außerdem schon jetzt die zweite Ausgabe am 18. September vor!

 

Foto: Privat