1. Herr Nichol, was genau wird heute Abend auf dem Gelände der Berliner Union Film, kurz BUFA, vorgestellt?
    • Wir öffnen unsere Türen und begrüßen die Mediengemeinschaft wieder bei der BUFA. Dieser Campus sollte das pulsierende Herz der Berliner Filmbranche sein und blieb zu lange im Schatten. Wir werden unsere Vision für den Campus zusammen mit der BUFA als operativem Filmunternehmen vorstellen. Die Branche befindet sich an einem spannenden Punkt des Strukturwandels. Die Demokratisierung der Medien und des Storytellings schärft das Bewusstsein für die Schlüsselfragen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Unsere Vision ist es, Storyteller mit Social Entrepreneurs, Aktivisten, Bauern, Züchtern, Pädagogen, Praktikern, Künstlern, Forschern, Sozialpionieren und Kulturschaffenden zu verbinden – kurz, jeder, der den Wandel vorantreibt, indem er gesündere und nachhaltigere Beziehungen zu SOIL, SOUL und SOCIETY – unseren zukünftigen Kernthemen –  vorantreibt. Wir werden diesen Organisationen und Einzelpersonen den notwendigen, bezahlbaren Raum zur Verfügung stellen, damit diese dort arbeiten, Kontakte knüpfen und mit Gleichgesinnten zusammenarbeiten können, um wirkungsvolle Inhalte, Innovationen und materielle Veränderungen zu schaffen.Wir werden auch der Film- und Mediengemeinschaft deutlich machen, dass die BUFA als Filmstudio und Postproduktionsfirma am stabilsten Punkt in ihrer Geschichte steht. Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass wir beispielsweise in unseren Synchron- und Mischstudios ein umfassendes technisches Update in Gang gebracht haben und im kommenden Jahr weitere erstklassige Studios hinzukommen werden.
  2. Seit 1913 werden hier Filme produziert, das Gelände ist der älteste Filmstandort Berlins. Vor zwei Jahren hat sich die BUFA neu aufgestellt. Was ist neu, Herr Nichol?
    • Unser Hauptziel bei der Übernahme war es, einerseits die BUFA als operatives Unternehmen und andererseits den BUFA-Campus zu verstehen. Der nächste Schritt bestand darin, beide zu stabilisieren und eine langfristige Vision für den Standort umzusetzen.Bis heute ist es uns gelungen, die BUFA zu stabilisieren und ihr Kernteam auszubauen. Die BUFA ist extrem stark und auf dem Markt für Tonpostproduktion gut positioniert. Wie bereits erwähnt, investieren wir stark in unsere technischen Anlagen und werden im kommenden Jahr weiter investieren. Wir haben einen Co-Working Space, in dem wir lokale und internationale Kreative und Filmproduzenten dazu einladen, den Raum kostenlos zu nutzen, solange sie zur langfristigen Vision der BUFA beitragen. Wir werden unsere Co-Working-Einrichtungen ausbauen und angehenden Changemakern die Möglichkeit geben, kostenlose Schreibtischplätze zu gewinnen, wenn ihre Aktivitäten unserem Ethos entsprechen. Der Campus selbst wird in den kommenden Jahren erheblichen physischen Veränderungen unterworfen sein. Wir werden mit den Behörden zusammenarbeiten und mit ihnen einen Stufenplan zur Modernisierung und Neugestaltung der Gebäude und Studios erstellen. In diesem Jahr haben wir beispielsweise die Anzahl der Autos vor Ort um 70% reduziert und das langfristige Ziel ist ein komplett autofreier Campus. Unsere neu errichtete Veranstaltungsfläche im Freien bietet einen kleinen Vorgeschmack auf unsere zukünftige Vision für den Campus. Aus 4.000 wiederverwerteten Europaletten und anderen nachhaltig beschafften Materialien haben wir einen Veranstaltungsraum kreiert, auf dem eine Reihe von Events durchgeführt werden. Darunter mehrere Dokumentarfilmvorführungen rund um unsere Schlüsselthemen SOIL, SOUL, SOCIETY AND CELEBRATION. Wir haben erste Schritte unternommen, um die Flächen zu begrünen, und haben beispielsweise Pflanzen und Obstbäume aufgestellt. Ergänzt wird das Ganze von sechs Bienenstöcken, die die BUFA-Bienen beherbergen. Dies sind alles kleine Schritte, um die Grundlage für einen bio-diversen Campus zu schaffen.Abgesehen von den physischen Veränderungen hat sich die Fläche in Bezug auf die Atmosphäre verändert. Ich denke, es gibt jetzt eine echte Vorfreude und Erwartung, dass hier etwas Besonderes und Einzigartiges passieren wird. Die BUFA-Bienen sind also nicht die Einzigen, die summen…
  3. Ihr Filmcampus wird nachhaltig, sagten Sie. Welche Ihrer großen, bekannten Filmproduktionen werden bereits heute auf dem alten BUFA Gelände nachhaltig produziert?
    • Im Film gibt es viele Ebenen der Nachhaltigkeit. Die Filmindustrie wirkt sich für die Größe ihrer Branche überproportional negativ auf die Umwelt aus. Ich denke, es geht hier nicht um bestimmte Produktionen – wir als Studios müssen die Standards setzen, auf die alle unsere Kunden hinarbeiten. Ein Hauptproblem beim Filmemachen ist die kurzzeitige Aktivität, d.h. ein Film oder ein Teil eines Films werden an einem Ort hergestellt und dann ziehen die Leute weiter. Die Menge an Abfall, die durch Filmsets entsteht, hat uns seit Beginn der Übernahme des Campus sehr beschäftigt. Unsere langjährigen Mieter Die Filmbauarbeiter haben mit uns zusammengearbeitet, um dieses Problem zu lösen und zu sehen, wie wir diese Abfälle lokal recyceln oder wiederverwerten können. Die anderen Hauptverschmutzer im Film sind Reisen und die Verwendung von Generatoren. Ein Aspekt, den wir gefördert haben, ist die Batteriezellentechnologie, da sie eine gute Alternative zu Generatoren sind, die hohe CO2-Werte bewirken.Unser Nachhaltigkeitspartner Julie’s Bicycle, der viele internationale Medienorganisationen zu Verhaltensänderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit beraten hat, erstellen aktuell Best-Practice-Dokumente für alle unsere Partner und Kunden. Im Mittelpunkt stehen hierbei der Energieeinsatz, das Reiseverhalten und die Abfallwirtschaft. Als großflächiger Filmcampus haben wir einen extrem hohen Energieverbrauch. Der erste Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass unsere Energie tatsächlich aus einer nachhaltigen Quelle stammt. Wir haben jetzt auf 100% Ökostrom aus Wasserkraft umgestellt. Unser nächster Schritt war es, die Art und Weise zu regeln, in der Heizung und Beleuchtung vor Ort gemanagt werden. Das wahre Wesen der Nachhaltigkeit auf einem Filmcampus ist eine Kreislaufwirtschaft. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie umfasst die Erzeugung sauberer Energie vor Ort, das Einführen von Regenwassernutzung, die Isolierung der Gebäude, das Recycling von Abfällen, die Kompostierung sowie den Anbau von Nutzpflanzen in den Innen- und Außenbereichen, um 30% der vom Campus verbrauchten Lebensmittel selbst vor Ort zu erzeugen.

30. August 2018

Foto: Marek Sikora Photography

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