Januar 2020

Aufgewachsen ist Isa als Einzelkind in Bonn als Kinder zweier Lehrer. Leistungsdruck gab es bei ihr zuhause dennoch nie – eher die natürliche Förderung der Entwicklung ihres Ehrgeizes. Vor allem aber habe sie geprägt, dass bei ihr zuhause immer viel und vor allem über politische und solche Themen, die im schulischen Kontext keine Rolle spielten, diskutiert wurde. Dies war mitunter auch ausschlaggebend für die Wahl ihres späteren Studiums – Politikwissenschaften mit Fokus Europapolitik in Maastricht.

„Das politische Interesse war bei mir manifestiert und mir war schon lange klar, dass ich etwas in diese Richtung studieren möchte“, so Isa.

Um jedoch weiterhin in Bewegung zu bleiben und den Fokus nicht nur auf politische Themen zu legen, zog es Isa im Anschluss an ihr Bachelorstudium an die NRW School of Governance in Duisburg für ein Studium der Kommunikationswissenschaften und des Politmanagements. Die Kombination aus Technologie, Journalismus und Politik trieb sie zu diesem Zeitpunkt bereits sehr um. Dies fiel in eine Zeit des technologischen Umbruchs und gleichzeitig in die wachsende Popularität des Mikrobloggingdienstes Twitter.

Nach Beendigung ihres Studiums wechselte Isa erneut ihren Wohnort: Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund, mit dem sie inzwischen verheiratet ist und eine Tochter hat, ging es nach London. Die Jobsuche vor Ort gestaltete sich um einiges schwieriger, als sie es sich erhofft hatte. Nach mehreren Bewerbungsgesprächen, die alle nicht von Erfolg gekrönt waren, fand sie sich eines Abends auf einer Feier wieder, „zu der ich eigentlich gar nicht gehen wollte“. Aber wie es der Zufall oft so will, lernte sie auf eben dieser Feier die Pressesprecherin von Twitter kennen. Da sich Isa bereits in ihrer Masterarbeit intensiv mit dem Thema Kommunikationstechnologien auseinandergesetzt hatte, war sie optimal dafür vorbereitet, einen spontanen Pitch für die Stationierung Twitters in Deutschland zu halten. Und wie es der Zufall wollte, konnte Isa überzeugen und wurde kurzerhand die erste Mitarbeiterin Twitters in Deutschland.

Von London ging es also weiter in die deutsche Hauptstadt – Berlin.  4 ½ Jahre lang baute sie hier, gemeinsam mit ihren Kolleg*innen, Twitter auf und konnte all ihre Kompetenzen und Energien für den Job nutzen. Im Jahr 2015 wechselte sie dann zu Google und dem damals frisch entstandenen News Lab. Dies entwickelte sich zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Digital News Initiative, die Google gemeinsam mit europäischen Verlagen aufgebaut hat. Das Team um Isa fokussiert sich seitdem auf die Unterstützung von Verlagen und Redaktionen bei der digitalen Transformation. Teams in Redaktionen und Verlagen sollen durch die Tools von Google u.a. dabei unterstützt werden, besser zwischen Mis- bzw. Desinformationen zu unterscheiden. „Im Grunde sind das Fake News, aber von dem Begriff halte ich nicht sehr viel, da er zu kurz greift“, erklärt Isa. In ihrer tagtäglichen Arbeit steht sie im Austausch mit Chefredakteur*innen, aber auch mit Produktmanager*innen, und organisiert unter anderem Trainings für diese. Gleichzeitig überlegt die Leiterin des News Labs aber auch ständig, wie Journalismus und Innovationen gefördert werden können und welche Partner*innen hier ihren Beitrag leisten könnten. Vor allem aber treibt sie auch die Frage nach Diversität um: Wie lässt sich diese in der Journalistenwelt und Medienbranche noch mehr fördern? Isa arbeitet seit mehreren Jahren mit den Neuen Deutschen Medienmacher*innen zusammen und möchte gemeinsam und im Austausch Diversität voranbringen und fördern. Dabei ist ihr nicht nur die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein wichtiges Anliegen, auch Menschen mit Migrationshintergrund müssen laut Isa gleichberechtigt, gleichgestellt und gehört werden. Dabei ist ihr eine weitere Sache sehr wichtig:

„Ich will deutlich machen, dass Diversität für alle Unternehmen auch ein erheblicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist.“

Auch berufliche und private Netzwerke haben für Isa einen hohen Stellenwert. Als sie vor zehn Jahren nach London ging, fand sie in ihrem dortigen Umfeld wenig Netzwerke, vor allem keine für Frauen. Seitdem habe sich aber zum Glück sehr viel verändert: Vor allem Frauen haben inzwischen das Bedürfnis, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen, so Isa. Dies sei jedoch unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass die Arbeitswelt zu großen Teilen immer noch sehr männerdominiert sei, wie Isa bedauernd hinzufügt. Nichtsdestotrotz etablieren sich hierzulande immer mehr Frauen- und auch Branchennetzwerke, was sie sehr begrüßt. Ihre Beobachtung ist mit einem Wunsch verbunden:

„Ich würde mir wünschen, dass sich mehr der Netzwerke zusammenschließen. Dass man gemeinsam darüber nachdenkt, wie man / frau Agendasetting betreiben kann.“

Um wirklich etwas erreichen zu können, bräuchte man einen Konsens. Dies sei aktuell noch nicht der Fall, wobei sich die Netzwerke auch durch ihre jeweiligen Themen unterscheiden. Aber eigentlich „zieht sich ja ein roter Faden durch all unsere Arbeit und durch unsere Ziele.“ Jetzt müsse man es nur noch schaffen, diese auf einen Nenner zu bringen und konkrete Vorschläge zu formulieren.

Als sie vor einigen Jahren ihren Job bei Twitter begann, wollte sie deren Frauennetzwerk, das es in den USA bereits gab, auch in Europa integrieren. Auch aus diesem Grund heraus entstand gemeinsam mit ihrem guten Freund David Noel die Idee zu Role Models – ein Event- und Podcastformat, das die Geschichten von spannenden Frauen aufzeigt. Role Models eben. Isa wünschte sich ein Netzwerk für Frauen, von denen man sich inspirieren lassen kann. Heute ist sie selbst in mehreren Netzwerken aktiv: In erster Linie ist dies das von ihr und David geschaffene Geflecht rund um Role Models. Das sind nicht nur die Teilnehmer*innen des Podcasts und der Events, sondern auch ihre ganz eigene Community, die aus den Hörer*innen und Menschen, die den beiden täglich schreiben, besteht. Aus diesen Kontakt schöpft Isa sehr viel Energie. Auch mit vielen der Frauen, die sie am 12. Dezember 2019 bei DWOMEN kennenlernte, hat sie noch immer Kontakt und steht im regelmäßigen Austausch. Und neben diesen beruflichen Netzwerken ist ihr auch ihr eigenes, privates sehr wichtig – die Balance zwischen dem kleinen Kreis und dem beruflichen Umfeld sei von hoher Bedeutung.

Was man sich bei all den Dingen, die Isa umtreibt, fragt: Wie schafft die junge Frau, die auch Mutter einer kleinen Tochter ist, den Spagat zwischen Beruf, Leidenschaft und Familie? „Einfach machen!“, empfiehlt Isa. Vor allem ein Leidenschaftsprojekt wie Role Models müssen man einfach angehen, insofern die Gegebenheiten passend sind und es sich mit der Arbeit vereinbaren lassen kann. Durch solche Projekte bekomme man so viele neue Ideen und Motivation, die sich dann auch wieder in die tägliche Arbeit integrieren ließen. „Aus jedem Podcast-Interview gehe ich total beflügelt heraus.“

Außerdem weiß Isa, dass Routine und sehr gute Planung für das Gelingen enorm wichtig sind. Role Models widme sie sich nur abends oder am Wochenende, ihre Stunden tagsüber gehören der Arbeit im Google News Lab. Auch wenn sich das vielleicht viel anhört: Wenn man mit ganzen Herzen dabei sei, ginge es leichter von der Hand. Und:

„Man muss für sich Zeiträume definieren und darf nicht alles gleichzeitig regeln.“

Zuletzt fügt Isa noch einen ihr wichtigen Aspekt hinzu: Den Anspruch an sich selbst nie zu hoch ansetzen. Anstatt jede Woche erneut mit dem Gefühl, nichts geschafft zu haben, konfrontiert zu sein, müsse man für sich selbst kleine Schritte definieren. Bei Role Models zum Beispiel plane sie gemeinsam mit David schon sehr weit im Voraus. „Das hilft mir sehr dabei, den Spagat zwischen Muttersein, Vollzeitjob, und eigenem Nebenprojekt zu schaffen.“

Ein Porträt von Alice Bucher