Als die Arbeiten kurz nach dem Jahreswechsel in Italien wieder aufgenommen wurden, verhängte die Regierung den Corona-Lockdown. Lead-Cutter Matthew Newman schaffte es mit einer der letzten Maschinen nach Berlin zurück, die restliche Editorial-Crew flog Hals über Kopf nach Hollywood und begab sich in häusliche Quarantäne. Wie weiter? Letztendlich beschloss man, den Film in Berlin zu beenden. Die Produktionsdaten wurden von Backups aus den USA zurück zur PostFactory synchronisiert. Der Avid-Schnittplatz wanderte dann in die Uckermark, wo der Cutter mit seiner Familie während des Lockdowns wohnte. Problem: Die mangelhafte Internetanbindung in Brandenburg. Zudem beeinträchtigten die Zoom-Sessions der Kinder für das Homeschooling die schmale Bandbreite. Als erstes musste also die Bandbreite soweit wie möglich upgegradet werden, und dann konnte gemäß der Sicherheitsvorgaben von Paramount die Netzinfrastruktur neu aufgebaut werden. Letztendlich gelang es in weniger als einer Woche, die Workstation so anzubinden, dass ein paralleles Remote-Editing möglich war. Der Regisseur wurde via VPN zugeschaltet und konnte den Video-Output des Avids live verfolgen. Neues Material und VFX-Shots wurden zur PostFactory nach Berlin überspielt und dann vom Schnittassitenten aus L.A. mit der Uckermark abgeglichen.

Mit Ende des Lockdowns konnte das Projekt dann wieder bei der PostFactory in Berlin-Kreuzberg nahtlos fortgeführt werden, wo die 1GBit Webanbindung weniger Probleme bereitete. “Evercast-Streaming“ ermöglichte dann auch Paramount am Schnitt teilzunehmen und Abnahmen und Besprechungen durchzuführen.

Neue Anforderungen stellte allerdings dann die Tonmischung. Per “Clearview Pivot“ konnten aber die Tonstudios von Technicolor in Los Angeles, das Screening in Rom und in der PostFactory synchron bespielt werden. Gut einen Monat später war auch der Ton fertig. Nachdem in Hollywood Titel und Abspänne hinzugefügt worden waren konnte dann im Kino in Berlin der fertige Film abgenommen werden – als DCP, das natürlich nur für den einen Tag freigeschaltet worden war.

Von dem Remote Editing Berlin, Rom, Hollywood zeigte sich Produzent und Oscar Preisträger Akiva Goldsman in einem Interview mit dem News-Magazin „Collider“ beeindruckt: “We are in complex, corona’d post. So, the director is in Italy, the editor is in Germany, we are [in the USA] in various places, and we Skype together, and we work on the movie together, and then we see cuts. So we are in the editorial phase, and we’ve actually been doing it all week this week in the mornings, for time zones, and it’s going really far better than it should, considering where we all are.” https://www.youtube.com/watch?v=eIcOzGHc-50

Dieser spektakuläre Film, der es dann doch nicht in die Kinos geschafft hat, wird im ersten Quartal 2021 bei Amazon zu sehen sein. Die gewonnenen Erfahrungen im Remote-Editing wurden daraufhin gerne für weitere Projekte genutzt, z.B. für das ZDF, das inzwischen Redakteure ins Homeoffice schickte oder für ein Terra X-Projekt der Story House Productions. Selbst für das Remote-Grading wurden inzwischen Lösungen gefunden.

Weitere Infos: PostFactory GmbH, Jens Theo Müller, jtm@telefactory.com

05.02.2021