1. Herr Reiff-Stephan, Sie möchten künftig an der Technischen Hochschule Wildau die Studienangebote intensiver erfahrbar machen und für Lern-Interessierte aus den verschiedensten Wissensschichten öffnen. Erzählen Sie uns doch mal etwas zu den aktuellen Planungen!
    • Oberstes Ziel unserer Bemühungen an der Technischen Hochschule Wildau ist es, bestmögliche Bedingungen bereitzustellen, um unseren Lerninteressierten durch zukunftsfähige, spannende und flexible Studienangebote für die anspruchsvollen Aufgaben zu befähigen. Der Blick über den Tellerrand der Disziplinen ist hierbei leitend für unsere Arbeit. Für uns bildet sich die Aufgabe, prozessorientiertes, transdisziplinäres Lernen entlang von Wertschöpfungsketten in interdisziplinären Teams zu ermöglichen. Daran arbeiten wir und wollen die unterschiedlichen Studienangebote miteinander eng verzahnen. 
    • Die Technische Hochschule Wildau ist eine Präsenzhochschule und will dies auch für die Zukunft sein. Uns ist bewusst, dass durch die Pandemie die Wahrnehmung des Lehrangebotes einem Stresstest unterworfen wurde, der unterschiedlich erfolgreich von Lehrenden und Lernenden bewältigt wurde. Grundsätzlich gehen wir aber auch digital gestärkt aus den Herausforderungen der letzten Monate hervor. Wir haben uns befähigt, mit den virtuellen Räumen zu „spielen“ und ein Selbstverständnis im Umgang zu entwickelt. 
    • Hier werden wir ansetzen und unsere Lehrangebote weiter ausbauen. Dazu gehört ebenso, dass wir uns mit den Lernzeugen unter den Blickwinkeln Akzeptanz, Usability sowie interaktiver, partizipativer Zusammenarbeit auseinandersetzen. Unsere bestehenden Kreativlabore helfen sowohl den Lehrenden wie auch den Lernenden, sich selbsttätig in innovative Prozesse hineinzufinden. Das ViNN:Lab – unter Leitung von Prof. Dana Mietzner als Maker Space – wie auch das im Aufbau befindliche Tech:Lab – unter Leitung von Prof. Alexander Stolpmann – als Erfahrungsort und Co-Working Space der Künstlichen Intelligenz unterstützen uns intern als auch extern dabei, eine wertschöpfungsorientierte Prozesskette abzubilden. Die TH Wildau will als Lerninstitution ein Ort der wissenschaftlichen Durchdringung, aber auch des handlungsorientierten Experimentierens sein.
  2. Mit einem weiteren Projekt namens „Wildauer Netzwerk – Künstliche Intelligenz” (WiN-KI)“ wollen Sie die Entwicklungen und Potenziale der Künstlichen Intelligenz fördern und ein Wirtschaftsnetzwerk entwickeln. Welche Ziele haben Sie sich hierbei gesetzt und wie kam es zu dieser bereichsübergreifenden Zusammenarbeit?
    • Das erwähnte Tech:Lab ist eine Zwischenstation. Der Zug fährt bereits seit Jahren im Gleis und wurde im März 2019 neu arrangiert. Künstliche Intelligenz ist für unsere Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen etwas Alltägliches seit dem Bestehen der Hochschule. Pünktlich zum Wissenschaftsjahr der Künstlichen Intelligenz fanden wir uns unter der Dachmarke „Wildauer Netzwerk – Künstliche Intelligenz“ (WiN-KI) zusammen. Vierzehn Professor*innen mit ihren Arbeitsgruppen von den Rechtswissenschaften bis zum autonomen Fahren oder der industriellen Bildverarbeitung bildeten die Grundlage fachbereichsübergreifend. 
    • Mit dem Aufkommen der Corona-Pandemie wurde die Arbeit in diesem Bereich intensiviert. Wir haben durch virtuelle Abendveranstaltung mit der Reihe „KI à verständlich“ den breiten Anwendungsansatz von Künstlicher Intelligenz mehreren hundert Teilnehmer*innen vorstellen dürfen und neue Partnerschaften dadurch schließen können. So sind auch an den Standort Wildau innerhalb der letzten zwölf Monate diverse Unternehmen der Hochtechnologie mit intensivem Bezug zu datengetriebenen Anwendungen gezogen. Bekannt ist, dass im März 2021 das Robert-Koch-Institut mit seinem Zentrum Künstliche Intelligenz in Public Health ZKI-PH seine Pforten geöffnet hat. 130 Wissenschaftler*innen werden gemeinsam mit den Mitwirkenden des WiN-KI an den vordringlichen Themen forschen. Hier kommt insbesondere der bereichsübergreifende Ansatz unserer Hochschulmitwirkenden der Suche nach Lösungen zu Gute. 
    • Der Zug rollt nun weiter und nimmt stetig Passagier*innen und damit Partner des Expresses mit sich. In den nächsten Wochen werden die Kontakte zu unseren Wirtschaftspartnern durch die Einrichtung eines Wirtschaftsnetzwerkes weiter ausgebaut. Der Austausch von Erfahrungen im Umgang mit Algorithmen oder Teilmodellen sowie deren Bereitstellung an die Partner sind wesentliche Schlüsselelemente der vernetzten Zusammenarbeit. Mittelfristiges Ziel ist eine Bildungsoffensive, die Studiengänge wie auch tertiäre Bildungsmodule unter Ausbau der infrastrukturellen Kapazitäten zum Inhalt hat.
  3. Ihre Campushochschule wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Sie sind vor den Toren Berlins gelegen und ein sehr moderner Standort, der auf zukunftsfähige Prozesse wie flexibles Lernen und Lehren setzt. Was genau meinen Sie damit und welche innovativen Ideen wollen Sie außerdem für Studierende und Lehrende umsetzen?
    • 30 Jahre des intensiven Wandels an einem Traditionsstandort des Schwermaschinenbaus. Die Attraktivität der angebotenen Leistungen hat die Entwicklung von anfänglich 17 Studierenden auf nunmehr knapp 4.000 Studierenden hervorgebracht. Tradition mit Moderne zu verbinden ist für uns eine der Zielvorstellungen im Leitbild der Hochschule. Mit unseren Bildungsangeboten zeigen wir Wege auf, um in dem sich in hoher Dynamik befindlichen Änderungsprozessen im Arbeitsalltag Schritt halten zu können. Der Komplexität der Fragestellungen werden wir mit weiterreichender Flexibilität begegnen. Individuelle Bildungswege in einem nachhaltigen Umfeld gemeinsam sich zu erschließen, ist Ausdruck einer erweiterten Lehr- und Lernkultur, die uns einen täglichen Rahmen liefert und den Zug am Fahren hält. 
    • Wie begegnen wir diesen Anforderungen? Stetige Prüfung der Marktrelevanz der Angebote sowie deren dynamischer Anpassung im Zuge von ergänzenden, modularen Angeboten. Dies geht einher mit dem weiteren Ausbau einer hochmodernen Infrastruktur, die höchsten Sicherheitsanforderungen Rechnung trägt (Anmerkung: April 2021 – erfolgreiches Re-Audit zur ISO 27.001 Informationssicherheits-Managementsystem). Entwicklung und Einsatz von modernen Lernzeugen, die in Präsenz wie auch virtuell zur Wissensvermittlung Einsatz finden. Die Prozesskette – bzw. der Zug – endet bei uns nicht an der Station „Zeugnisübergabe“. Nein, wir setzen den Weg fort und schließen das Gleisbett, um in wiederkehrenden Zyklen das Lernen aufrecht zu erhalten. Die TH Wildau bietet hierfür sowohl mit ihren An-Instituten wie dem Wildauer Institut of Technology (WIT) als auch Technologie- und Weiterbildungseinrichtungen (TWZ) eine wertvolle Basis. Der Wandel kommt jedoch von Innen und damit ist dann auch jede/r Einzelne gefragt: der/die Lehrende aber auch der/die Lernende.

 

April 2021

Bild: Technische Hochschule Wildau