1. In Italien bleiben alle Kitas, Schulen und Universitäten vorübergehend geschlossen. Auch in Berlin wurden einige Schulen geschlossen oder einzelne Schüler*innen müssen zu Hause bleiben. Das Lernen geht trotzdem weiter, besonders für die Schüler*innen, die sich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten. Herr Bayer, kann eine Lernplattform wie sofatutor die Lehrkraft in der Schule ersetzen? Zumindest temporär?
    • Schule bleibt immer ein soziales Event und der Rolle des Lehrers kommt viel mehr zu, als eine Erklär-Performance an der Tafel vor der Klasse. Lehrersein ist Coach und Lernbegleiter sein. sofatutor wird also nie den Lehrer ersetzen. Aber wir können mit unseren Lernvideos trockenen Mathestoff anschaulich und witzig vermitteln oder interaktive Aufgaben auf die digitalen Tafeln und auf die Laptops und Tablets der Schüler bringen, damit Lernen mehr Spaß macht. Wer noch offene Fragen hat, kann in unserem Hausaufgaben-Chat jeden Nachmittag 1:1 einen Lehrer konsultieren. Für eine überschaubare Zeit kann Schüler*innen, deren Schulen geschlossen werden müssen, so eine Möglichkeit geboten werden, im Stoff weiter voran zu kommen und Gelerntes zu festigen. Lehrer*innen können auch hier ihre Rolle als Lernbegleiter wahrnehmen und vorselektieren, was gelernt werden sollte.Seit vielen Jahren lernen junge Profisportler mit uns, wenn sie auf Wettkampfreisen oder im Trainingslager sind. Ebenso haben wir zahlreiche junge Menschen bei einem längeren Krankenhausaufenthalt dabei unterstützt, den Anschluss im Unterricht nicht zu verpassen.
  2. Wie lernen Schüler*innen mit sofatutor? Lernen sie mittels Online-Lernplattform besser? Anders? Worin sehen Sie die Vorteile?
    • Häufig sind wir nachmittags und abends eine riesige Erleichterung für Schüler UND Eltern. Wenn Schüler*innen am Tag vor dem Test, der großen Klassenarbeit oder dem Referat Hilfe benötigen, steht ja niemand sonst spontan helfend zur Seite. Da nehmen wir viel Druck aus der Familie raus. Aber natürlich lernen Schüler*nnen mit uns auch jederzeit regelmäßig von zuhause oder unterwegs. In einigen Bundesländern wird sofatutor nicht nur individuell nachmittags, sondern auch im Unterricht eingesetzt und erleichtert die Arbeit der Lehrkräfte. Lehrer*innen können besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Schüler*innen eingehen und alle gleichsam fordern und fördern. Und Vertretungsstunden sind dank unserer Lernvideos und Übungen auch von fachfremdem Personal durchführbar.

  3. Herr Bayer, sind Krisen wie die aktuelle auch eine Chance für unser Bildungssystem? Damit es „agiler, offener und durchlässiger“ für Veränderungen wird, wie Sie kürzlich in einem Interview zitiert wurden? Wie kann sofatutor unterstützen?
    • Die Welt wandelt sich und dazu gehört auch die Art wie wir lernen. Die „Organisation Schule“ ist gigantisch: Wir beschäftigen in Deutschland über 700.000 Lehrer. Zudem haben wir aktuell eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen, die „nur“ auf den Erhalt des Status Quo einzahlen: Uns fehlen Schulen und Lehrer. Vor dem Hintergrund verstehe ich, dass die Digitalisierung des Klassenzimmers nicht immer erste Priorität ist. Richtig schade finde ich, wenn den Schulen, die sich verändern möchten, die Möglichkeiten fehlen. Weil zum Beispiel vorhandene, unausgeschöpfte Personalbudgets nicht flexibel von der Schulleitung für innovative Ansätze eingesetzt werden können. Man muss den Schulen mehr Autonomie geben, denn viele Lehrer*innen möchten gern Neues ausprobieren. Ob langsam oder schnell, die Entwicklung geht in eine Richtung: Schüler profitieren in Zukunft von einer bunteren Medienlandschaft und auf sie angepasste didaktische Konzepte. Das eine Lehrbuch, das alle lesen müssen, wird es so nicht mehr geben, genauso wenig den täglichen Frontalunterricht an der Kreidetafel. Wir sind Teil dieser Bewegung, weil wir die digitalen Lerninhalte schaffen, die ein Klassenzimmer mit WLAN und Tablets benötigt.

 

März 2020