Nach einer Begrüßung durch Herrn Stephan Kleinmann von MAZARS und Frau Andrea Peters (media:net berlinbrandenburg) übergibt letztere das Wort an Benjamin Wüstenhagen (Managing Direktor der Cornelsen ECademy GmbH), der die Bildungsministerin kurz vorstellt. Nachdem anschließend Prof. Dr. Susanne Stürmer (Präsidentin der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) den Ablauf und die Struktur der Diskussion erklärt, die sich in die drei Themenbereiche „Schulpolitik und Digitalpakt“, „Fachkräftemangel und lebenslanges Lernen“ sowie „Forschung und Digitalisierung“ gliedert, ergreift Frau Karliczek das Wort und eröffnet das Gespräch mit einem Impulsvortrag.

In ihrem ersten Jahr im Amt als Bildungsministerin habe sich Frau Karliczek zunächst intensiv mit den verschiedenen Aspekten ihres Hauses auseinandergesetzt und eine hohe Innovationskraft innerhalb des Hauses festgestellt. Das Thema der Digitalisierung sei dabei in der gesamten Gesellschaft in ganz unterschiedlichen Facetten zu bewältigen, ebenso das Thema der Globalisierung. Deutschland stehe momentan in einem Wettbewerb zwischen China und den USA.

In ihrem Impulsvortrag war Frau Karliczek weiterhin wichtig, ihren Eindruck zu betonen, dass das demokratische System Deutschlands, das hauptsächlich auf das Vertrauen in Institutionen fuße, derzeit gefährdet zu sein scheine. Sorgen bereite ihr in diesem Sinne das schwindende Vertrauen in die Presse („Fake News“), daher mache sich Frau Karliczek zur großen Aufgabe, das allgemeine Vertrauen zurückzugewinnen.

Dennoch hebt Frau Karliczek die gute Ausgangslage hervor, in der sich Deutschland in Bezug auf Wirtschaft, Arbeitslosenquote oder die Forschung befinde. Die Herausforderungen aber würden bleiben, die natürlicherweise mit dem schnellen und starken technologischen Wandel zusammenhängen. Der Technologiesprung könne aber laut Karliczek nur funktionieren, wenn die ganze Gesellschaft dahingehend mitgenommen würde.

An diesem Punkt schlägt Frau Karliczek eine Brücke zum Thema Bildung. Ein Kulturwandel könne sich in den Köpfen der Menschen nur mit Hilfe der Bildung vollziehen. Im technologischen Zeitalter würden zwar viele Arbeitsplätze wegfallen, die sich durch Roboter ersetzen ließen. Es würden allerdings noch mehr neue Arbeitsplätze entstehen, die gut ausgebildete Mitarbeiter besetzen müssten. An einer strukturierten Ausbildung fehle es derzeit allerdings noch. Genau da müsse angesetzt werden.

Zu diesem Zweck sei der Digitalpakt ein Aufschlag, die digitale Infrastruktur in die Breite zu bringen, so dass digitale Bildung in Schulen überhaupt stattfinden könne. Der Bund stellt in diesem Sinne das nötige Geld für die technische Infrastruktur zur Verfügung, die Länder übernehmen die Weiterbildung der Lehrer und die Kommunen überlegen sich individuelle Konzepte, wie die Digitalisierung in den einzelnen Schulen konkret aussehen soll. Wichtig sei dabei insbesondere ein grundlegendes Verständnis zu schaffen und die Jugend zu befähigen, eigenverantwortlich und selbstbewusst mit Technik umzugehen.

Ihren Vortrag rundet Frau Karliczek mit dem Wunsch nach mehr Mut zur Veränderung ab. „Ausprobieren und Scheitern ist bei uns nicht sehr schick“, sagt die Bundesministerin für Bildung und Forschung. Es sei aber ein Zeichen der Reife einer freien Gesellschaft, Fehler zu machen und nach dem Motto „learning by doing“ aus diesen zu lernen.

Nach dem Impulsvortrag übernimmt Benjamin Wüstenhagen die Moderation und hakt bei dem Punkt der Globalisierung und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nach. Die Frage, ob der Föderalismus Deutschland in Bezug auf die Digitalisierung und den internationalen Wettbewerb im Weg stehe, verneint Frau Karliczek. Grundsätzlich sei eine föderale Struktur besser, es müsse allerdings eine andere Form der Zusammenarbeit gefunden werden, denn eine gemeinschaftliche Struktur sei im digitalen Zeitalter ebenfalls von hoher Bedeutung.

Die Unternehmer aus der Digital- und Kreativbranche gaben in Bezug auf den Digitalpakt aber zu bedenken, dass die Länder bei der Digitalisierung an Schulen unterschiedlich weit fortgeschritten seien. Letztere fühlten sich außerdem zunehmend allein gelassen. Zudem sei zu beobachten, dass Lehrer größtenteils von der neuen technischen Ausstattung überfordert seien und es zusätzlich zu der Ausstattung viel mehr darauf ankomme, die Bildung generell anders zu konzipieren. Dies bekräftigt Frau Karliczek und verweist darauf, dass der Digitalpakt für einen echten Mehrwert nur in einem „Dreiklang“ Sinn ergebe, der zusätzlich zu der technischen Ausstattung an Schulen, die Lehrer-Weiterbildung und individuelle Digitalisierungskonzepte für Schulen vorsehe. Die Medienkonzepte haben die Länder zwar bereits angestoßen. Es gebe in Bezug darauf kein Finanzierungsproblem, sondern ein Kapazitätsproblem, das sich erst mit der Zeit lösen lasse.

Ein weiterer Themenbereich, der die Runde interessiert, ist der Fachkräftemangel. Viele der Unternehmen der Kreativbranche könnten ihre offenen Stellen nicht besetzen. Auf die Frage, ob die Bildungsministerin Pläne zur Bekämpfung des Mangels und zur Förderung von Arbeitskräften habe, antwortet Frau Karliczek, dass beispielsweise Frauen mehr für technische Berufe begeistert werden sollten. Außerdem müsse künftig stärker signalisiert werden, dass eine Berufsausbildung, die viel stärker als Hochschulen auf die Praxis setze, mindestens die gleiche Bedeutung wie ein akademischer Abschluss habe. „Eine Ausbildung ist keine Sackgasse“, so Karliczek. Die Bildungsministerin spricht in diesem Sinne von einem „Berufs-Bachelor“ und einem „Berufs-Master“, um auch international verstärkt auf die zwei Möglichkeiten des Bildungswegs in Deutschland aufmerksam zu machen und mehr Fachkräfte anzulocken.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde regen weiterhin an, dass es eine Lockerung in der Gewichtung von formalen Abschlüssen geben müsse. Anstatt sich auf Abschlüsse und Zertifikate zu fokussieren, sollte sich vielmehr auf das spezifische Können der Fachkräfte konzentriert werden. Die Teilnehmer waren sich einig, dies müsse noch stärker im gesellschaftlichen Diskurs thematisiert werden.

Mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit lenkt Susanne Stürmer die Diskussion zum letzten Themenbereich, nämlich auf den Bereich der Forschung und den Hochschulpakt. Wesentliche Fragen dahingehend richteten sich für Frau Karliczek auf den Aspekt der Qualität. Was bedeutet Qualität in diesem Zusammenhang und welche Kriterien müssen diskutiert werden?

Spannend findet Frau Karliczek, von der Moderatorin Susanne Stürmer darauf aufmerksam gemacht, in diesem Sinne auch die Diskussion rund um Europäische Universitäten. Gerade in Hinblick auf China und Amerika müsste sich in der Forschung und Innovation noch stärker europäisch aufgestellt werden. Die Vernetzung der gesamten Gesellschaft auf europäischer Ebene könne zu einem Fortschritt führen.

Nach einer regen Diskussion und einem konstruktiven Austausch bedanken sich Susanne Stürmer und Benjamin Wüstenhagen bei der Bildungsministerin für das Gespräch.

Auch wir danken Anja Karliczek herzlich für ihre Zeit und die aufschlussreiche und angenehme Diskussion sowie Frau Stürmer und Herrn Wüstenhagen für die Moderation.

Ein herzlicher Dank gilt weiterhin unserem Gastgeber MAZARS und den Gästen für ihre rege Teilnahme.

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Eine Rückschau von Xenia Günther