1. Herr Fisser, aus Sicht der Filmbranche: Begrüßen Sie die Forderungen des BIU und der Produzentenallianz?
    • Christoph Fisser: Aus Sicht der Filmindustrie begrüßen wir nicht nur die Forderungen, sondern auch den Schulterschluss der Verbände mit Nachdruck. Es ist wichtig, dass für die gesamte Kreativindustrie Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die jeweiligen Branchen zukunftssicher machen – das gilt für Film, High-End-TV-Serie, VFX, Games oder VR. Wir setzen uns dafür bereits seit langem ein. Der Wettbewerb der audiovisuellen Medien findet international statt. Weltweit existieren in anderen Ländern attraktive Förderprogramme, die Unternehmen und Projekte umfassend unterstützen sowie Investoren anlocken. Daher brauchen wir auch in Deutschland eine konsistente Industriepolitik mit verlässlichen und automatischen Anreizsystemen und Förderkonzepten. Nur so kann die gesamte Kreativindustrie weiter wachsen, Jobs schaffen und Know-how aufbauen sowie Deutschland als innovativer Medienstandort gesichert werden.
  2. Herr Wasmuth, aus Sicht der Gamebranche: Begrüßen Sie die Forderungen des BIU und der Produzentenallianz?
    • Boris Wasmuth: Neben dem vom BIU vorgeschlagenen Modell finden wir es besonders wichtig, daß Games in der Förderung mit der Film-Industrie gleichziehen. Die Games-Industrie hat in diesem Punkt einen noch großen Nachholbedarf.
  3. Förderungen sind das eine. Inwieweit müssen die Games und Filmbranchen stärker gemeinsam innovative, verzahnte Entertainmentmodelle entwickeln, um den Produktionsstandort Deutschland bzw. Berlin-Brandenburg mittelfristig wettbewerbsfähig und profitabel zu gestalten?
    • Boris Wasmuth: Wie schon gesagt, halten wir es für wichtig, daß Games in der Förderung mit der Film-Industrie gleichziehen. Das heißt nicht unbedingt, dass eine stärkere Verzahnung beider Branchen nötig ist, denn beide können auf eigenen Füßen stehen. Viele Gamesfirmen verdienen Geld und zahlen Steuern. Gerade im Mobile Games-Business dauern Entwicklungen inzwischen mehrere Jahre. Aufgrund restriktiver Handhabung der Finanzämter können Games-Firmen allerdings nicht genügend Rückstellungen für Marketing bilden, um ein Spiel auch weltweit mit angemessenem Budget zu launchen. Derzeit werden potentielle Marketingbudgets von der Steuer „aufgefressen“, weil nicht akzeptiert wird, dass diese Budgets derzeit unbedingt nötig sind und potentiell über mehrere Jahre von Games-Firmen angespart werden müssen, um weltweit bestehen zu können.
    • Christoph Fisser: Film ist heutzutage nicht mehr eine reine Bewegtbildindustrie. Die Games- und die Filmbranche werden zukünftig in vielen Bereichen Schnittstellen und Konvergenzen haben. Die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Games, Virtual Reality, Visual Effects und Animation zeigen doch klar auf, wohin die Reise in der Unterhaltungsindustrie geht. Die „Creative Industries“ werden daher eine ganz entscheidende Zukunftsbranche der deutschen Wirtschaft und Beschäftigung werden. Natürlich sind jetzt auch die Unternehmen gefragt, entsprechende Kooperationen zu suchen und einzugehen. Insbesondere Berlin-Brandenburg bietet diesbezüglich hervorragende Möglichkeiten, mit mutigen Unternehmern und innovativen Ideen. Hier gilt es weiter Kompetenzzentren aufzubauen und Netzwerke zu fördern.