1. Für manche Menschen ist Künstliche Intelligenz (KI) ein undurchsichtiges Schreckgespenst. Gleichzeitig erleichtert KI in vielen Facetten schon heute unseren Alltag. Welche Akzente setzt die 2018 verabschiedete KI-Strategie der Bundesregierung im internationalen „KI-Wettlauf“?
    • KI hat enorme Potenziale, unser Leben und unser Arbeiten zu erleichtern. Damit verbunden sind neue Formen der Wertschöpfung. Das fördern wir, auch um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können und die KI in unserem Sinne zu entwickeln, das heißt: wertbasiert. Dabei ist es bemerkenswert, dass KI-Forscher ihre Arbeit eher zurückhaltend beschreiben. Wer weiß, was KI macht und wie diese Technik arbeitet, der hat eine ziemlich nüchterne Sicht auf die Technik und wenig Angst vor einem Schreckgespenst. Ein Ziel der KI-Strategie ist es daher auch, eine sachgerechte Debatte um die Potentiale und Grenzen der KI zu führen. Wenn Roboter in der Werkshalle mit Arbeitern auf engem Raum zusammenarbeiten, dann muss dabei selbstverständlich die Sicherheit der Arbeiter gewährleistet sein. Wenn autonome Autos auf der Straße fahren, dann muss das auch ein Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr sein Das sind Fragen, an deren Lösung die Forschung heute zu arbeiten hat. Das fördern wir als Teil der KI-Strategie. Ebenso ist bekannt, dass automatisierte Entscheidungen nur so gut ausfallen können, wie die Daten, mit denen diese Systeme trainiert wurden. Auch dies ist eine ständige Herausforderung für Forschung und Entwicklung.
  2. Die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär sagte kürzlich, der Föderalismus im Bildungsbereich stehe der Digitalisierung im Weg. Teilen Sie diese Meinung? Wie könnte in Ihren Augen eine gute Lösung für Bund und Länder aussehen?
    • Probleme werden immer am besten dort gelöst, wo die Menschen betroffen sind. Der Föderalismus hilft, die Herausforderungen vor Ort auch vor Ort zu lösen. Der Föderalismus ist gelebte Bürger- und Ortsnähe, zunächst einmal auf Ebene der Kommunen als Schulträger und dann auf Länderebene. Gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung sehen wir, dass Regionen unterschiedlich an die Aufgabe herangehen.

      Föderalismus bedeutet aber immer auch, große Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung zu stemmen. Wir suchen gemeinsame Lösungen dort, wo sie notwendig und sinnvoll sind. Das kann, siehe Digitalpakt, schon mal etwas länger dauern. Letztlich ist Deutschland aber dafür bekannt, dass wir am Ende konsensorientiert Lösungen finden, die auch tragen. Der Bund unterstützt die Kommunen so intensiv wie noch nie. Auch beim Breitbandausbau sind wir stark engagiert.

      Im Bildungsbereich haben viele Länder schon Initiativen gestartet, um die Digitalisierung in den Schulen zu gestalten. Nur vor Ort gibt es die Kompetenzen, all das miteinander zu verknüpfen, was es für eine langfristig erfolgreiche Digitalisierung im Bildungsbereich braucht: die Einbindung der Lehrkräfte, die Weiterentwicklung der Lehrinhalte und die Technik. Und genau dort, bei der Technik – da will der Bund helfen.

  3. Im August 2018 hat Ihr Haus gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium die Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen auf den Weg gebracht. Was genau sind die Ziele dieser Agentur? Was haben Sie bereits angestoßen?
    • Ziel der Agentur für Sprunginnovationen ist es, Forschungsideen zu identifizieren und bis zur Marktreife zu fördern, die ein besonderes Potenzial haben, in neue, hochinnovative Produkte und Dienstleistungen überführt zu werden . Damit unterstützen wir neue Hochtechnologiefelder, Innovationen, Märkte, Branchen und auch neue Geschäftsmodelle für die deutsche Wirtschaft. Wir leben in unserem Land davon, innovativ im Wettbewerb die Nase vorn zu haben. Nur so werden wir unseren Wohlstand wahren können.

      Um dies zu erreichen, werden Innovationswettbewerbe durchgeführt, in deren Rahmen besondere gesellschaftliche und ökonomische Herausforderungen identifiziert werden. Besondere Handlungsfreiräume und ein effektives Portfoliomanagement geben hochkompetenten, kreativen und unternehmerischen Innovatoren und ihren Teams die Möglichkeit, ambitionierte Lösungen zu erarbeiten.

      Die Gründung der Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen ist für Mitte 2019 geplant. In Kürze wird eine Gründungskommission mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik etabliert, die den Prozess der Gründung flankieren soll.

       

Februar 2019 

Foto: © BMBF/Laurence Chaperon