1. Warum hat sich Companisto doch recht radikal gewandelt und zu einem digitalen Business Angel Club entwickelt?
    • Seit unserer Gründung haben wir uns immer damit beschäftigt, wie das Investieren in Startups vereinfacht werden kann. Wir haben festgestellt, dass es große Zugangshürden gibt. Diese abzubauen und viel mehr Menschen das Investieren in Startups zu ermöglichen, haben wir zu unserer Mission gemacht. Obwohl es neue digitale Möglichkeiten gibt, wurde das Business Angel Investing in Deutschland immer noch genauso kleinteilig und aufwändig betrieben, wie vor einigen Jahrzehnten. Am Ende will sich ein Business Angel an einer spannenden Innovation beteiligen und nicht Spezialist in Beteiligungsverträgen, Steuerfragen und der Beteiligungsverwaltung werden.Investoren müssen bislang sehr viel Aufwand betreiben, um sich an Startups zu beteiligen. Zudem stellten in der Praxis übliche Mindestinvestmentbeträge bei Business Angels von schnell 50.000 pro Person eine erhebliche Zugangshürde dar. Die Kombination aus großem Aufwand und hohen Mindestsummen führte dazu, dass die Business Angel Branche in Deutschland seit Jahrzehnten kein relevantes Wachstum verzeichnet. Wir haben erkannt, dass in der Digitalisierung auch für das Business-Angel-Investing in Deutschland große Chancen stecken und deshalb den Companisto Angel Club gegründet. 
    • Es ist immer die Rede davon, dass es mehr Gründer in Deutschland braucht. Das ist sicher richtig. Auf der anderen Seite brauchen diese Pioniere aber eben auch die Wegbereiter, die in sie investieren. Wir sind davon überzeugt, dass es einen sehr positiven Impact auf eine Gesellschaft hat, wenn sich sehr viele Menschen an Innovationen beteiligen.
  2. Was zeichnet den Companisto Angel Club aus?
    • Wir machen das Investieren in Startups einfach. Wir stellen unseren Investoren die Startups in einem digitalen Investoren-Bereich vor. Alle Informationen sind dort gebündelt und die Beteiligung kann direkt online gezeichnet werden. Neu ist auch, dass die Investoren jetzt in das Eigenkapital investieren. Im Zuge unserer Re-Positionierung haben wir auch unser Beteiligungsmodell komplett auf die Qualität von echten Business-Angel-Beteiligungen umgestellt. Auch der INVEST-Zuschuss kann direkt online mitbeantragt werden. Über den Zuschuss bekommen die Investoren immerhin 20% ihres Investments vom Staat direkt zurückerstattet und erhalten dazu signifikante Steuererstattung. Obwohl der INVEST-Zuschuss ein extrem attraktives Anreizsystem dafür ist, dass sich Privatpersonen an Startups beteiligen, ist eine traurige Wahrheit, dass dieser staatliche Fördertopf in Deutschland noch in keinem Jahr vollständig abgerufen wurde. Das wollen wir ändern und haben bereits über 250 INVEST-Zuschüsse für Mitglieder des Angel Clubs bewilligt. Das Reporting, die Kommunikation mit den Gründern, die jahrelange Beteiligungsverwaltung bis hin zur Einholung von Gesellschafterbeschlüssen – in sämtlichen Bereichen vereinfacht unsere Digitalisierung das Beteiligungsmanagement und schafft effiziente Prozesse, von denen alle profitieren und wertvolle Zeit sparen.Die Angels beteiligen sich mit Beträgen zwischen 10 Tsd. Euro (Mindestinvestmentbetrag) und 1 Mio. Euro pro Investor. Seit Gründung des Angel Clubs wurden mehr als 20 Mio. Euro in 13 Startups investiert. In der ersten Finanzierungsrunde wird üblicherweise zwischen 500 Tsd. und 1,5 Mio. Euro investiert. Gerne gemacht werden außerdem Folgefinanzierungen, die dann schon Volumen von bis zu 5 Mio. Euro erreichen können. 
    • Bei den Mitgliedern des Angel Clubs handelt es sich zu 35% um Unternehmer, 28% Geschäftsführer & Vorstände, 20% C-Level-Executives, 15% Angestellte und 2% Privatiers.

  3. Business Angels sprechen davon, dass sie sich mit „Smart Money“ einbringen. Wie wird das bei euch gehandhabt?
    • Neben echten „Pain-Killern“ bringt ein digital organisiertes Angel-Netzwerk neue Möglichkeiten mit sich. Zunächst werden Zugangshürden abgebaut, denn auch Unternehmer, die außerhalb von Großstädten und Ballungszentren angesiedelt sind, erhalten durch die digitalen Investoren-Bereiche Zugang zu ausgewähltem Startup-Dealflow. Auch der als „Smart Money“ bezeichnete Mehrwert von Angels kann aus unserer Sicht von der Digitalisierung profitieren. Der Austausch zwischen Angels untereinander und mit Gründern wird erleichtert. Genau dafür haben wir jetzt aktuell ein digitales Kommunikations-Netzwerk angeschlossen, das man sich an sich als ein Xing oder LinkedIn innerhalb von Companisto vorstellen kann. Investoren können sich dort ein Investoren-Profil anlegen und sich so ihren Mitinvestoren und den Gründern persönlich vorstellen. Man hat dort also die Möglichkeit, seine Mitinvestoren kennenzulernen, sich mit ihnen zu vernetzen und über Direktnachrichten auszutauschen. Dabei geht es nicht darum, den persönlichen Austausch durch digital verschickte Nachrichten zu ersetzen. Im Gegenteil kann das digitale Netzwerk das zielgerichtete Zusammenfinden sehr erleichtern.Auch für Gründerteams ist dieses digitale Netzwerk super effektiv. Die passgenaue Suche nach einer bestimmten Expertise, Branchenkontakten oder Intros zu bestimmten Unternehmen, um den Vertrieb anzukurbeln, wird ganz einfach. Die Gründerteams können das Know-how und Know-who ihrer Investoren effektiv für sich nutzen und ganz gezielt Investoren über das digitale Netzwerk kontaktieren, um sich mit ihnen auszutauschen. 
    • Dazu beinhalten die Investoren-Profile neben den Investment-Interessen auch konkrete Angaben darüber, welche Expertise ein Investor zur Unterstützung seiner Startups einbringen kann. Die Gründer können dieses digitale Netzwerk jederzeit nach ihren individuellen Bedürfnissen durchsuchen, um die für sie richtigen Ansprechpartner zu finden und direkt über die Plattform zu kontaktieren. Das Netzwerk wurde daher so programmiert, dass es nach unterschiedlichsten Begriffen durchsucht werden kann, z.B. nach Namen, Investment-Interessen, Branchen, Unternehmen, Position, Expertise etc.

       

    • Ganz wichtig ist mir am Ende noch eines: Wir verstehen uns definitiv als Partner von Business Angels und anderen Business-Angel-Netzwerken und machen sehr viele Co-Finanzierungen mit VCs. Der Standort Deutschland kann noch einiges mehr an Venture Capital vertragen, dazu wollen wir beitragen. Gerade in diesen Zeiten merken wir, dass es auf das gesamtgesellschaftliche Engagement und dabei auf den Einzelnen ankommt. Das gilt auch für das Investieren in Startups.

 

Februar 2020