Eine Rückschau von Max Duhr

Bernd Schiphorst, media:net-Aufsichtsratsvorsitzender und als ehemaliger Bertelsmann-Manager selbst eng mit der Geschichte der UFA verbunden, begrüßte die Gäste im Saal des Potsdamer Hans-Otto-Theaters. In seiner Rede blickte der ehemalige Vorsitzende der Geschäftsführung der Ufa Film- und Fernseh-GmbH auch auf die Geschichte des UFA-Logos. Sollten darin laut Designer ab 1989 noch die Fernsehwellen dargestellt werden, so hat sich die UFA heute längst ein neues Logo verpasst und auch vom klassischen Fernsehbegriff gelöst.

Albrecht Gerber, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, hob in seiner Begrüßung die Bedeutung der UFA als Aushängeschild für den Film- und Medienstandort Babelsberg hervor. So ist es auch dem Engagement der UFA zu verdanken, dass Potsdam kürzlich zum MediaTech Hub ernannt wurde.

Ein MediaTech Hub lebt von Pioniergeist, und die UFA, so Medienboard-Standortentwicklungsgeschäftsführer Helge Jürgens, ist ein großer Technik-Pionier, wie auch Wolf Bauer und Nico Hofmann Pioniere der Medienlandschaft und besonders der Fernsehbranche sind.

Nach einem kurzen Vorstellungsvideo über die aktuellen Projekte der UFA durfte Moderator Thomas Lückerath, Gründer, Geschäftsführer und Chefredakteur von DWDL.de, dann endlich die beiden UFA-Geschäftsführer Wolf Bauer und Nico Hofmann auf die Bühne bitten. Mit Blick auf die beiden rezenten UFA-Projekte „Charité“ und „Der gleiche Himmel“ entwickelte sich ein angeregtes Gespräch unter Fachleuten. Während „Charité“ im linearen Fernsehen alle Erwartungen übertreffen konnte und auch in der Mediathek überzeugte, zündete „Der gleiche Himmel“ im deutschen Fernsehen nicht auf diesem Niveau, dafür aber umso mehr international auf der Streaming-Plattform Netflix. Hier hat sich in der Branche in letzter Zeit eine neue Entwicklung ergeben, die erstmals das Projekt „Deutschland 83“ aufzeigte: Wird deutsche Geschichte authentisch aufbereitet, hat sie im heimischen Markt großen Erfolg. Wird sie aber mit Blick auf den weltweiten Markt von einem internationalen Team entwickelt, floppt sie zuweilen im deutschen TV, wird aber vom Rest der Welt begeistert gesehen.

Durch den Blick auf die Auslandsvermarktung ergeben sich neue Kriterien zur Bewertung von Projekten. Dabei stellen Streaming-Plattformen keine Konkurrenz dar, sondern sie steigern laut Bauer und Hofmann die Nachfrage nach gutem Content und bieten die Möglichkeit, diesen viel zielgruppenorientierter zu entwickeln. Hier ist Deutschland keineswegs gegenüber den USA im Rückstand. Viel eher steht der Markt kaum still und befindet sich in einer Entwicklungs- und Findungsphase.

In dieser disruptiven Zeit der digitalen Transformation hat sich die UFA neu aufgestellt und die alte Silo-Kultur aufgegeben – auch um Labels in den Hintergrund und talentierte Produzenten in den Vordergrund zu rücken. Gerade im von Produzenten getriebenen deutschen Markt ist die UFA stolz auf ihren Talente-Pool und ein Team an eigenständigen Produzenten, deren Erfolge keine Zufallstreffer sind. Damit aber der Standort Deutschland dauerhaft kompetitiv bleibt, müsste auch das Kulturstaatsministerium das international künstlerisch erfolgreiche Wirken von Serien-Produzenten anerkennen.

Die UFA sieht heute und für die kommenden Jahre im High End Drama das größte Wachstumspotenzial, während der Kinomarkt bei weitem nicht so dynamisch ist und stagniert. Für die Zukunft sehen Bauer und Hofmann auch steigendes Nutzungspotenzial durch das Wegfallen von Kino-Zeitfenstern und die gleichzeitige Verwertung von Inhalten. Durch das UFA Lab ist man zudem gewappnet für neue Märkte wie auch Nutzungsformen und führt bereits heute als Spezialist für digitales Erzählen in den Bereichen Online Video, Virtual Reality und Transmedia eines der erfolgreichsten Studios für digitale Programminhalte.

So haben Wolf Bauer, der sich im September aus der Geschäftsführung zurückziehen wird, und Nico Hofmann Deutschlands älteste und größte Produktionsfirma gegen alle Unwägbarkeiten einer unruhigen Branche gewappnet und für die Zukunft aufgestellt.

Zum anstehenden 100-jährigen Geburtstag überreichte Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende des media:net, zum Abschluss des Gesprächs eine mit Filmszenen gespickte Torte.

Wir danken Wolf Bauer und Nico Hofmann sowie unserem Moderator Thomas Lückerath für das anregende Gespräch und all unseren Gästen für die Teilnahme am 40. mediengipfel!

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