Eine Rückschau von Max Duhr

Trotz hochsommerlicher Temperaturen lockte das spannende Thema – hört man doch im Wahlkampf selten von den Agenturen hinter den Kampagnen – rund 60 Gäste in die Telefónica Digital Lounge. Begrüßt wurden die Gäste von Andrea Peters, Vorstandsvorsitzender des media:net, die besonders Tanja Mühlhans von der Senatsverwaltung als Initiatorin der Werber-Initiative des media:net dankte, sowie Gastgeber Philippe Gröschel, Leiter der Public Affairs von Telefónica.

Problemfelder der politischen Kommunikation

Thomas Heilmann, Berliner Justizsenator a.D. und CDU-Kandidat für die Bundestagswahl, berichtete auch mit Blick auf seine Erfahrung als ehemaliger Geschäftsführer von Scholz & Friends in Berlin in einem einleitenden Impuls-Statement von den Problemen, die ihm bei der Kommunikation als Bundestagswahlkandidat begegnen.

  • In der Bundestagswahl, so Heilmann, tritt er als „Submarke“ auf, wobei problematisch ist, dass sich die „Dachmarke“ noch nicht klar positioniert hat.
  • Schwierig ist auch die Steuerung einer politischen Kampagne – kaum einer der Gäste konnte sich noch an einen der Parteiclaims zur letzten Bundestagswahl erinnern.
  • Anders als in den USA gibt es in der politischen Kultur Deutschlands darüber hinaus keine „daily response“. Deutsche Wahlwerbespots sind in der Regel vorproduziert, während sie in den USA täglich auf aktuelle Themen eingehen. Besonders in der Social-Media-Arbeit besteht hier noch massiver Nachholbedarf.

Wie sieht politische Kommunikation in Deutschland aus?

Nach den einleitenden Worten von Thomas Heilmann übernahm Moderator Sven Oswald (radioeins) das Zepter und stellte die weiteren Gäste der Runde vor: Frank Stauss von der Agentur Butter, Volker Ludwig von DiG/Trialon, Andreas Mengele von Heimat und Patrick Bales von der auf Social Video spezialisierten Werbeagentur StoYo.

  • Trotz vermehrten technischen Möglichkeiten basiert der Wahlkampf in Deutschland immer noch auf demselben Prinzip: Dem Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.
  • Jedoch führen mehr Kanäle auch dazu, dass immer mehr „manpower“ benötigt wird, während das „message controlling“ immer schwieriger wird.
  • Schwierig ist für die Agenturarbeit auch, dass sich Parteien nicht als Marke verstehen und immer nur zum Wahlkampf kommunizieren, statt eine dauerhafte Markenstrategie zu verfolgen.

Gibt es eine Disruption des Politischen?

Die Disruption des Politischen – unter diesem Motto stand der Salon Kreativ. Welche Auswirkungen hat es auf den Wahlkampf in Deutschland, wenn z.B. ein US-Präsidentschaftskandidat hauptsächlich über Twitter kommuniziert?

  • In Deutschland bleibt das Wahlplakat der Leuchtturm – über kein Medium werden mehr Wähler erreicht.
  • Dennoch müssen die Parteien bereit sein, sich zu erneuern, ohne ihren Kern zu verraten. Es ist nach wie vor die Daseinsberechtigung einer politischen Partei, sich mit den Sorgen und Nöten der Menschen zu befassen.
  • Eine historische Chance bieten den Parteien hier soziale Netzwerke – anders als im Häuserwahlkampf öffnet der umworbene Wähler hier leichter die Tür. Nur weil das Wahlplakat wichtig ist, sollten soziale Medien nicht schlechtgemacht werden. Mit seiner Agentur StoYo verspricht Bales den Parteien organische Views und Interaktionen in einem Bereich zwischen 1 und 3 Millionen, wo es heute in der Spitze 70.000 sind.

Am wichtigsten aber, so das Fazit des Abends, ist die Botschaft: Wer keine klare Botschaft hat, der hat nichts mitzuteilen – und muss sich folglich keine Sorgen um den Kommunikationskanal machen.

Wir bedanken uns bei unserem Moderatoren Sven Oswald sowie den Panelisten und ganz besonders bei allen Gästen, die den Weg zum Salon Kreativ gefunden haben. Unseren Partnern Deutsche Bank, KPMG und Telefónica danken wir für die Unterstützung des Formates sowie der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe für die Initiierung und Fortführung dieses Projektes, dessen nächstes Highlight das Creative Dinner Berlin ist.

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Über den Salon Kreativ

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Das Kooperationsprojekt Salon Kreativ wird veranstaltet vom media:net berlinbrandenburg e.V. gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWEB) und Projekt Zukunft.

Die Initiatoren wollen mit dem Salon Kreativ ein Format anbieten, das aktuelle Themen der Kreativ- und Werbebranche aufgreift. Bei diesem Format treffen sich Entscheider aus Media- und Kreativwirtschaft fernab vom Business-Alltag in exklusiver Runde. Der Austausch zwischen den kreativen Köpfen und den geladenen Experten steht dabei im Vordergrund.